Cold Brew Coffee – ein Trendgetränk wird alltagstauglich


Kalter gebrauter Kaffee? Mit Eiswürfeln drin? Gar als Cocktail serviert? Mit Widersprüchen schockt und lockt der Hype um Cold Brew Coffee seit etwa 2017 Kaffeeliebhaber in Deutschland. Und das so erfolgreich, dass Cold Brew inzwischen wortwörtlich in aller Munde ist. Ja, Cold Brew ist definitiv etwas anderes. Er bringt Kaffeegenuss auf ein völlig neues Level. Doch fangen wir erst einmal von vorne an.

Wie funktioniert Cold Brew eigentlich?

Cold Brew Coffee ist – wie der Name es schon verrät – kalt gebrühter Kaffee. Auch wenn wir Brühen mit kochend heißem Wasser verbinden: Es bezeichnet eigentlich nur den Vorgang, in der Kaffeepulver und Wasser miteinander in Kontakt sind. Die Wassertemperatur spielt hierbei keine Rolle.

Dabei gilt für Cold Brew Kaffee, was auch für guten Kaffee allgemein wichtig ist:

  1. Hochwertiger, frisch gemahlener Kaffee hat die meisten Aromen. Übrigens gibt es ein paar Kaffeesorten, die sich besonders gut für das Cold Brew-Verfahren eignen.
  2. Mahlgrad: Für diese kalt gebrühte Kaffeevariation ist es besonders wichtig, Deine Kaffeebohnen grob zu mahlen. Sonst riskierst Du eine Überextraktion – und damit bitteren Geschmack im Heißgetränk.
  3. Brühzeit: Während beim Filterkaffee die Wassertemperatur dem Kaffee die meisten Aromen entlockt, arbeitet beim Cold Brew die Zeit für dich. Durch die lange Brühdauer von bis zu 24 Stunden lösen sich besonders viele Aromastoffe besonders schonend.

Kalt gebrühter Kaffee ist also anders zubereitet. Aber was kann er noch? Oder anders gefragt: Warum Cold Brew Kaffee?

Abgesehen davon, dass Cold Brew im Sommer eine erfrischende Alternative zum Eiskaffee bietet, trumpft die kühle Koffeinbombe nämlich mit mehreren Pluspunkten auf. Durch die lange Ziehzeit entsteht ein Kaffeekonzentrat. Entsprechend ist der Koffeingehalt von Cold Brew Coffee höher, der kalte Kaffee also stärker. Deshalb ist er so wunderbar geeignet, um ihn in Cocktails und Drinks zu mischen: gerne mit Rum, Gin oder frischem Orangensaft. Aber auch mit Eiswürfeln oder verschiedenen Milchvariationen servieren Baristas ihren Gästen das leckere kalte Gebräu.

Die köstliche Chemie des kalten Kaffees

Das lange Warten lohnt sich außerdem geschmacklich: Bei der sogenannten “Extraktion” löst das kalte Wasser über Stunden hinweg mehr und vor allem andere Aromastoffe aus dem Kaffeepulver, als heiß gebrühte Kaffeevariationen. Der Grund hierfür findet sich in der Chemie.

Kaffee ist ein sehr komplexes Genussmittel. Er besteht aus hunderten von verschiedenen chemischen Verbindungen und birgt über 800 Aromen. (Manche sprechen gar von über 1000.) Wie bei jeder chemischen Verbindung werden die Moleküle im Kaffee von verschiedenen Temperaturen und zu unterschiedlichen Zeitpunkten freigesetzt. Manche, so wie Koffein, werden immer freigesetzt. Andere nur bei hohen bzw. bei niedrigen Temperaturen. Und manche dieser Moleküle sind nicht erwünscht, wie z. B. viele der Bitterstoffe. Je nachdem, wie Du Deinen Kaffee extrahierst, schmecken Bohnen der gleichen Kaffeesorte also völlig anders.

Und das ist der Grund, weswegen Cold Brew so begehrt ist: Es ist Kaffee. Aber anders. Denn die meisten kalt gebrühten Kaffees enthalten kaum Bitterstoffe und sind sehr säurearm. Außerdem findest Du oft florale oder fruchtige Noten, die durch das schonende Herstellungsverfahren besonders betont werden. Manchmal schmeckt Dein Cold Brew Coffee sogar nach Nuss oder Schokolade. Typisch für kalt gebrühte Kaffeeextrakte wie Cold Brew oder Cold Drip ist zudem eine natürliche Süße.

Cold Drip vs. Cold Brew – Was ist der Unterschied?

Kaffeefans, die sich mit dem Thema Cold Brew Kaffee beschäftigen, stolpern fast automatisch auch über den Begriff “Cold Drip”. Cold Brew und Cold Drip werden oftmals sogar gleichbedeutend verwendet. Trotzdem gibt es einen kleinen, aber feinen Unterschied:

Cold Brew wird in seiner Definition als Sam­mel­be­griff für kalt gebrühten Kaffee in all seinen Variationen verwendet. Doch innerhalb dieser Kategorie gibt es einige Unterschiede was die Brühmethode angeht. Die zwei beliebtesten Zubereitungsarten von Cold Brew Kaffee sind einerseits “Immersion” und andererseits “Cold Brew Drip Coffee”, kurz “Cold Drip”.

Die Standard-Methode: Immersion Cold Brew

Die weitverbreitetste Cold Brew Zubereitungsmethode ist die Immersion. Der Begriff kommt vom englischen “to immerse” und bedeutet “eintauchen”. Und das beschreibt diesen Brühvorgang ziemlich akkurat: Du gibst hierfür grob gemahlenes Kaffeepulver in ein Gefäß aus Glas. Dafür eignet sich z. B. Deine French Press super. Den Kaffee übergießt Du mit kaltem Wasser und lässt das “eingetauchte” Kaffeepulver über mehrere Stunden hinweg ziehen.

Der Grund für die Beliebtheit des Immersion-Verfahrens ist seine Einfachheit. Kaffee mahlen, Wasser drüber, warten, fertig. Und das Resultat ist ein vollmundiges Kaffeeprodukt, das sich zeigen kann.

So einfach kannst Du Cold Brew Coffee selber machen

Cold Brew – klingt schick, schmeckt super – und mit dieser Anleitung kannst Du ihn zuhause ganz einfach selber machen. Das geht auch ohne Cold Brew Coffee Maker. Alles was Du brauchst, steht bei den meisten Kaffeefans schon in der Küche. Wie easy das geht, zeigen die Kollegen von Starbucks in diesem Video:

Manege frei für unser eigenes

Cold Brew Coffee Rezept

  • 1 Gefäß aus Glas, Füllmenge mindestens 1 Liter (z. B. French Press, Glas oder Krug)
  • 150 g Kaffee, grob gemahlen
  • 1 Liter Wasser
  • Filter
  • 12-24 Stunden Zeit

Anleitung:

  1. Mahle die Kaffeebohnen grob. Sie dürfen gerne noch gröber sein, als für die French Press.
  2. Gib zunächst Kaffeepulver in das Gefäß.
  3. Fülle dann das Wasser hinzu.
  4. Warte 12 bis 24 Stunden Brühzeit ab. (Für den Anfang empfehlen wir pauschal 12 Stunden. Je nach Ergebnis kannst Du beim zweiten Versuch dann Kaffeesorte, Mahlgrad und/oder Brühzeit variieren.)
  5. Trenne das Wasser vom Kaffeepulver. Verwende hierfür einen Filter oder drücke den Stempel Deiner French Press nach unten.
  6. Genieße Deinen eigenen Cold Brew. Entweder pur, on the Rocks oder verdünnt.

Deinen Cold Brew Coffee kannst Du übrigens für zahlreiche Drinks und Cocktail Rezepte verwenden.

Cold Drip Coffee Cocktails haben Kick, sind lecker und etwas Neues. Kurz: Dank unserer Cold Drip Kaffee Rezepte bist Du der Star auf der nächsten Cocktail-Party
Cold Drip Coffee Cocktails haben Kick, sind lecker und etwas Neues. Kurz: Dank unserer Cold Drip Kaffee Rezepte bist Du der Star auf der nächsten Cocktail-Party

Das Tröpfchen auf dem i: Cold Brew Drip Coffee (Cold Drip)

Das Cold Drip Verfahren – und damit der Cold Drip Coffee – unterscheidet sich in der Zubereitung derweil stark vom Immersion Brew. Um Cold Drip Kaffee herzustellen, brauchst Du einen speziellen Apparat. Dieser Cold Dripper, auch Cold Drip Tower genannt ist ein schickes Konstrukt aus Glas. Er besteht aus einem Wasserbehälter, den Du mit Wasser und/oder Eis füllen kannst. Durch ein Ventil, mit dem Du die Tropfgeschwindigkeit regelst, tropfen einzelne Wassertropfen auf das Kaffeepulver. Durch einen Filter fließt dann das fertige Cold Drip Kaffeeextrakt in eine bereitstehende Glaskanne.

Wie Du Dir sicher vorstellen kannst, dauert diese Art des Kaffeekochens sehr sehr sehr lange. Und gerade hier wirkt sich die Herstellungsmethode auf den Geschmack aus: Cold Drip weist meist fruchtige und süßliche Noten auf, da diese durch das besondere Herstellungsverfahren betont werden. Cold Brew Drip Coffee enthält nur wenig Bitterstoffe. Die lange, langsame Extraktion sorgt dabei insgesamt für einen intensiven Geschmack.

Obwohl das ganze Prozedere kompliziert klingt, kannst auch Du mit unserer Anleitung Cold Drip Kaffee selber machen: Entweder wie ein Profi-Barista mit Deinem eigenen Cold Dripper. Oder Du bastelst Dir im DIY-Verfahren Deinen eigenen Cold Brew Dripper.

Der Cold Brew Coffee Dripper ist eine turmartige Konstruktion. Mit ihr wird Cold Drip Coffee hergestellt.
An der turmartigen Konstruktion dieses Cold Brew Coffee Dripper kannst Du schon genau erkennen, wieso er auch Cold Drip Tower genannt wird.

Trend meets Tradition – Ein Hype mit Historie

Wer jetzt annimmt, dass Cold Brew und Cold Drip erst vor kurzem “erfunden” wurden, irrt sich. Kalt gebrühten Kaffee gibt es nämlich schon seit über 400 Jahren. Zuerst haben nämlich holländische Handelsreisende im 17. Jahrhundert das kalte Kaffeeextrakt ausprobiert. Es war bis zu 3 Wochen haltbar und daher bestens geeignet, um es auf lange Schiffsreisen mitzunehmen. So war auch unterwegs der Koffeingenuss gesichert.

So waren es vermutlich auch besagte Niederländer, die das Cold Drip-Verfahren nach Japan brachten. Über die Jahrhunderte hinweg entwickelten die Japaner traditionelle Technologie und Design weiter. Gemeinsam mit dem Bewusstsein für hervorragenden Spezialitäten-Kaffee schwappte in den letzten Jahren auch hochwertiges japanisches Kaffeezubehör in den Westen. Findige Baristas entdeckten die eleganten Cold Brew Drip Türme – und der Rest des Trends ist Geschichte, die gerade geschrieben wird. Denn aktuell ist kein Ende des Cold Drip Hype in Sicht.

Kaffeebohne und Wasser – das Ying und Yang des Cold Brew

Schiebt man für einen Moment alle Emotionen beim Kaffee auf die Seite, abstrahiert und reduziert ihn auf ein Minimum, stellt man fest: Unser liebstes Heißgetränk besteht genau aus zwei Elementen. Kaffeebohnen und Wasser. (Als Puristen wollen wir das Thema Milch und Zucker einmal außen vorlassen.) Während es über Kaffeebohnen, verschiedene Kaffeesorten, ihren Anbau, Ernte, Aufbereitung, Röstung und schließlich das Mahlen fast unzählige Artikel gibt, sind Informationen zum optimalen Kaffeewasser schwerer zu finden.

Ich nehme meine Kaffeemühle und mahle: optimale Cold Drip und Cold Brew Kaffee Sorten

Wenn Du nach einer Empfehlung für Kaffeesorten suchst, die sich allgemein gut für kalt gebrühten Kaffee eignen, legen wir Dir vor allem zwei Kandidaten ans Herz: reine Arabica Bohnen oder Maragogype Kaffeebohnen sind unsere absoluten Favoriten. Diese beiden Sorten sind besonders gut für Cold Brew geeignet, weil sie mild im Aroma und sehr säurearm sind.

Als Faustregel gilt aber: Nimm einfach Deine Lieblings-Kaffeesorte. Wenn Du eine einzelne Bohne davon zerkauen kannst und sie weder bitter noch sauer noch sonst irgendwie unangenehm schmeckt, ist sie auch für Deinen Cold Drip oder Cold Brew Kaffee geeignet. Und dass du für das optimale Geschmackserlebnis am Besten Deine eigene Kaffeemühle zur Hand nimmst, ist eh klar.

Es ist doch nur Wasser. Oder?

Eine weit verbreitete Angewohnheit ist es, Kaffee mit Leitungswasser zu brühen. Klar ist Leitungswasser – zumindest in der D-A-CH-Region – bestens trinkbar. Doch für die Zubereitung Deines punktgenauen Cold Brew-Genusses lohnt es sich, genauer hinzusehen. Einige wenige Tipps zum Thema Wasser können Dir dabei helfen, Deine Kaffeequalität enorm zu steigern.

Neben der Temperatur, die den Geschmack des fertigen Kaffees stark beeinflusst, ist in unseren Breitengraden besonders die Wasserhärte ein wichtiger Faktor. Mit weichem bis mittelhartem Wasser erzielst Du die besten Ergebnisse. Das entspricht etwas einem pH-Wert von 7,0 bei einer Wasserhärte zwischen 4 und 8°d. Angaben zur genauen Wasserhärte Deines Trinkwassers findest du im Internet. Oder bei Deinem Wasserversorger.

Kaffee Wasser, Cold Brew und Milch stehen auf einem Holztisch
Aus was besteht Kaffee? Wasser und gemahlene Kaffeebohnen sind die Basis für leckeren Cold Brew Kaffee

In der Regel ist das deutsche Leitungswasser extrem hart und kalkhaltig. Aus diesem Grund macht es Sinn, dich mit der Enthärtung von Wasser zu beschäftigen. Und das geht eigentlich mega einfach. Du kennst doch sicher diese Kannen mit wechselbarem Aktivkohle-Filter? Die bereits in vielen Küchen stehen? Genau diese Filter reichen aus, um das Wasser und damit Deinen Kaffee geschmacklich stark zu verbessern. Einfach Leitungswasser oben rein, kurz warten und mit dem gefilterten Wasser Deinen Cold Brew oder Cold Drip Kaffee aufbrühen. Übrigens dankt Dir das auch Dein Wasserkocher: Der verkalkt dann nämlich fast gar nicht mehr.